Geschichte

Die Geschichte von Swellendam

Ein paar Schritte von der Drostdy entfernt, an der Swellengrebel Street, steht das alte Gefängnis. Eine Zeichnung von 1776 zeigt es schon. Älter ist im Ort nur die Drostdy selbst.

Gekalkte Mauern, ein Hof, Schatten unter Bäumen. Vom Verkehr auf der N2 kommt hier nur ein Rauschen an. Wer zwischen Drostdy und Old Gaol steht, steht dort, wo die Niederländische Ostindien-Kompanie (VOC) im 18. Jahrhundert ihre Verwaltung im Osten der Kapkolonie aufbaute, mit einem Landdrost, einem Gericht und Menschen, die dafür arbeiten mussten, ohne gefragt zu werden.

Vor der Kompanie: Viehhirten am Breede River

Die Khoikhoi waren zuerst da. Nach Angaben von SANParks kamen die Hessequa vor rund 2.000 Jahren ins Overberg, hielten Fettschwanzschafe und Langhornrinder und lebten am Ufer des Breede River.

Den ersten Kontakt mit Europäern datiert SANParks auf 1660. Sieben Jahre später richtete der VOC-Vertreter Lourens Visser in der Gegend einen Handelsposten ein. Was folgte, war ein Niedergang: Pocken, der Streit um Land, Alkohol und Tabak dezimierten die Clans der Hessequa. SANParks nennt auch eine Kapitänin der Hessequa, Lang Elsie, die im 18. Jahrhundert nahe dem heutigen Bontebok-Nationalpark lebte.

1743, 1747 und ein Name aus zwei Namen

Ein festes Gründungsjahr hat Swellendam nicht. Die Quellen nennen 1743, 1745, 1746 und 1747, und sie meinen damit verschiedene Dinge: den Distrikt, den Ort, die Drostdy, den Namen. 1743 wurde Swellendam Magistratsdistrikt, der drittälteste der Kapkolonie nach Kapstadt und Stellenbosch. Die Drostdy, Wohn- und Amtssitz des Landdrosts, baute die VOC nach Angaben des Museums 1747. SANParks nennt dagegen 1745 als Jahr der Fertigstellung.

Den Namen bekam der Ort nach der deutschen Wikipedia im Oktober 1747. Er geht auf zwei Menschen zurück: den Kap-Gouverneur Hendrik Swellengrebel und seine Frau Helena ten Damme.

Aus dem Distrikt von 1743 leitet sich der Ruf als drittälteste Stadt Südafrikas ab. So steht es in der englischen Wikipedia und auf places.co.za. Die deutsche Wikipedia übernimmt den Titel, schreibt aber dazu, dass Swellendam nach anderen Angaben die fünftälteste Stadt ist. Drittältester Distrikt stimmt. Die drittälteste Stadt ist Swellendam nur nach einer Lesart.

Landdrost, Heemraden und die Versklavten

Der erste Landdrost hieß Johannes Theophilus Rhenius. Er regierte nicht allein. Das Museum nennt einen Rat aus Heemraden, also Bürgern, die mit ihm den Distrikt verwalteten und Recht sprachen, dazu einen Sekretär, einen Gefängniswärter und viele Versklavte, ohne die der Betrieb der Drostdy nicht lief.

Kurz nach der Drostdy entstanden Gefängnis, Sekretärshaus, Mühle und Nebengebäude. Das Gefängnis, heute Old Gaol an der Swellengrebel Street, gilt nach der Drostdy als das älteste und bedeutendste Gebäude des Orts. Eine Zeichnung von Schumacher aus dem Jahr 1776 zeigt es bereits.

Drei Monate Republik: 1795

Im April 1795 begann im Distrikt ein Aufstand. Die Rebellen zwangen den Landdrost Anthonie Faure und seine Beamten zum Rücktritt. Die Bürger ärgerten sich über die Abgaben an die VOC, und sie wehrten sich gegen das Verbot, Khoikhoi-Kinder auf ihren Farmen zu registrieren. Das Vorbild lag weiter östlich. In Graaff-Reinet hatte Marthinus Prinsloo am 4. Februar 1795 eine Republik ausgerufen.

Am 17. Juni 1795 riefen die Bürger von Swellendam ihre eigene Republik aus. Präsident wurde Hermanus Steyn, Petrus Delport wurde National Commander. Nach Steyn heißt heute die Straße, an der das Mayville House Museum steht.

Lange hielt das nicht. Die Republik endete, als Großbritannien das Kap besetzte, und hier gehen die Quellen auseinander. Die englische Wikipedia nennt den 4. November 1795, die deutsche spricht von drei Monaten, von Juni bis September 1795.

Unter britischer Verwaltung

Die Briten blieben. Laut Museum schaffte die Kolonialregierung das Gremium aus Landdrost und Heemraden ab, ab 1827 wohnte ein Civil Commissioner in der Drostdy. Wann das Gebäude vergrößert wurde, ist unklar: Die deutsche Wikipedia nennt 1844, die Reisebloggerin Roxanne Reid 1813.

1846 verkaufte die Regierung die Drostdy, das Grundstück wurde aufgeteilt. 1855 kaufte die Familie Steyn das Haus und behielt es bis 1939. In diese Jahre fällt auch Mayville, nach der Denkmalliste um 1853 für den Eigentümer Daniël de Bruyn gebaut.

Schon 1812 hatte die London Missionary Society eine Missionsstation gegründet: Suurbraak, für die Attaqua, eine andere Khoikhoi-Gruppe als die Hessequa. Ein zweiter Name des Dorfs ist Xairu. Es liegt am Fuß des Tradouw-Passes, nach places.co.za rund 25 Kilometer hinter Swellendam. Mehr dazu bei den Zielen in der Umgebung.

Weiße Kirche mit Uhrturm, geschwungenen Giebeln und Spitzbogenfenstern, davor Torpfosten mit den Jahreszahlen 1802 und 1911 und Hortensien
Die NG-Moederkerk in Swellendam. Die Torpfosten tragen die Jahreszahlen 1802 und 1911.

1865: Feuer, Dürre und ein Bankrott

1865 brannte es in Swellendam. Laut dem Reiseführer Frommer's zerstörte das Feuer große Teile des Orts. Es fiel in eine Krise: Rezession am Kap, Dürre und der Bankrott des Handelshauses Barry & Nephews. Frommer's schreibt auch, dass der Ort danach mit mehr viktorianischen Elementen wieder aufgebaut wurde. Fast ein Jahrhundert nach dem Brand ließen Verkehrsplaner, so derselbe Reiseführer, die Eichen an der Voortrek Street fällen, um die Straße zu verbreitern.

Das Feuer von 1865 ist nicht das große Buschfeuer von 1869. Jenes Great Fire lief als Flächenbrand von Swellendam bis nach Uitenhage. Es betraf die ganze Region, nicht den Ort allein.

Die Bahn, die Kirche, das Museum

1899 erreichte die Eisenbahn den Ort. Gebaut hat sie die New Cape Central Railway über Ashton, bei Swellendam verlässt die Strecke das Breede-Tal. Beim Datum gibt es zwei Angaben: eröffnet am 18. März 1899 nach der einen Quelle, bis zum 12. April 1899 nach der anderen. Riversdale kam wegen des Burenkriegs erst am 19. Februar 1903 dazu. Heute hält am Bahnhof Swellendam kein Personenzug mehr.

Die NG-Moederkerk an der Voortrek Street ist jünger, als sie aussieht. Den Grundstein legte die Gemeinde am 25. November 1910, eingeweiht wurde der Bau am 10. Juni 1911. Vom Vorgänger sind nur Eingangsbogen und Tor geblieben. Wann diese erste Kirche entstand, ist uneinheitlich überliefert: 1798 oder 1802.

Und die Drostdy? 1939 kaufte die Regierung der Südafrikanischen Union das Haus, um darin ein Museum einzurichten. Heute gehören Old Gaol, der Handwerkshof Ambagswerf und Mayville dazu, das seit 1978 als Hausmuseum offen ist. Was du dort siehst, steht bei den Sehenswürdigkeiten.

Swellendam in Daten

Unser TippGeh die Geschichte zu Fuß ab: Drostdy an der Drostdy Street 2, Old Gaol an der Swellengrebel Street, Mayville an der Hermanus Steyn Street 4. Die drei Häuser liegen nur wenige hundert Meter auseinander.

Häufige Fragen zur Geschichte

Ist Swellendam die drittälteste Stadt Südafrikas?

Swellendam gilt als drittälteste Stadt Südafrikas nach Kapstadt und Stellenbosch. Verlässlich ist das für den Magistratsdistrikt: 1743 wurde Swellendam der drittälteste Distrikt der Kapkolonie. Andere Angaben führen Swellendam dagegen als fünftälteste Stadt.

Was war die Republik Swellendam?

Die Republik Swellendam riefen Bürger des Distrikts am 17. Juni 1795 aus, nachdem sie den Landdrost der VOC zum Rücktritt gezwungen hatten. Präsident war Hermanus Steyn. Sie endete mit der britischen Besetzung des Kaps, je nach Quelle im September oder am 4. November 1795.

Woher hat Swellendam seinen Namen?

Swellendam ist nach dem Kap-Gouverneur Hendrik Swellengrebel und seiner Frau Helena ten Damme benannt. Den Namen bekam der Ort nach Angaben der deutschen Wikipedia im Oktober 1747.

Wann hat es in Swellendam gebrannt?

Ein Brand traf Swellendam im Jahr 1865 und zerstörte nach Angaben des Reiseführers Frommer's große Teile des Orts. Das große Buschfeuer von 1869, das von Swellendam bis Uitenhage reichte, ist ein anderes Ereignis.